Die Entstehung der Offshore-Industrie im Überblick

Der Begriff „Offshore“ beschreibt Industrieanlagen, welche ihren Standort in einem größeren Abstand zur Küste haben. Dabei handelt es sich meist um Öl- und Gasförderplattformen oder Windkraftanlagen.

Summerland – die erste Offshore Bohrinsel

In der Nähe von Santa Barbara, Kalifornien, wurde das erste Offshore-Öl gefördert. Die Bohrtürme wurden direkt am Strand und ins küstennahe Wasser gebaut, welche durch hölzerne Piers gestützt und mit dem Festland verbunden wurden. Da sich die Öllagerstätten sehr nah an der Küstenlinie befanden, konnten alle Produktionsanlagen, bis auf die Förderpumpen, an Land verbleiben. Im Jahre 1929 erreichten die Förderquoten aber bereits ihren Höhepunkt. Die immensen Kosten für die Förderanlagen und die Piers überstiegen sehr schnell die Erlöse aus der Ölgewinnung, da die Quellen sehr schnell versiegten. Nach insgesamt 412 Bohrlöchern wurde 1939 die Ölförderung eingestellt. Heute ist der Strand bei Santa Barbara ein beliebtes Touristenziel.

Caddo Lake – Die erste selbstständige Offshore Plattform

Auch bei Caddo Lake, nahe der Grenze zwischen Texas und Louisiana, war Erdöl und Gas leicht zu finden. Das Öl trat direkt am Ufer aus dem Boden und Erdgas sprudelte in Blasen im küstennahen Wasser. Die Gulf Oil Corporation bekam die Förderrechte an dieser Lagerstätte und baute eine Bohrinsel. Die Zypressen, die am Strand wuchsen, wurden im Fundament verbaut, auf dem die hölzernen Bohrtürme errichtet wurden. Im Frühling 1911 wurde das erste Öl gefördert und somit war diese Anlage faktisch die erste eigenständige Offshore Plattform. Bis zum Jahresende wurden insgesamt 8 Plattformen in Betrieb genommen und mit eigenen Förderpumpen, Gasmotoren und Tanks ausgestattet. Das Öl wurde mittels Rohrleitungen zu Sammelstationen geleitet. Erkundungen und Förderung breiteten sich rasant aus und entwickelten sich zu einer neuen Industrie. Durch die Erfahrungen, die aus den ersten Jahren gewonnen wurden, entwickelten sich schnell Standards für den Bau von Anlagen und Plattformen.

Der Maracaibo-See – Die ersten Plattform auf einem Betonfundament

Shell hatte als erste Firma ein Ölfeld am Ostufer des Maracaibo-Sees gefunden. 1922 wurden durch den Fund eines großen Ölfeldes in der Nähe des Seeufers auch andere Ölgesellschaften auf die Lagerstätten aufmerksam. Durch die Erfahrungen bei Caddo Lake, erkannten viele die Möglichkeiten Öl aus dem Boden unter dem Maracaibo-See zu gewinnen. Die Lago Petrolium Corporation bekam 1923 die Konzession für einen Großteil des Sees. Sie errichteten den ersten Bohrturm nur 2 Meter vom Ufer entfernt und etwas später einen weiteren Turm, welcher weiter vom Land entfernt war. Die Technik, die am Caddo Lake entwickelt wurde, wurde auf den Maracaibo-See angepasst. Eine hölzerne Pfahlgründung war nicht möglich, da das Holz vom Teredo-Schiffswurm, einer Salzwasser-Molluskenart, in kürzester Zeit zerfressen worden wäre. Widerstandsfähigere Hölzer waren zu teuer. Aus diesem Grund wurde nach Alternativen gesucht. Die Lösung fand man schließlich in Betonkonstruktionen. Die erste Plattform mit Betonfundament wurde im Jahr 1927 errichtet. In den beiden darauffolgenden Jahren folgten noch 160 weitere Plattformen. 1934 folgte dann die erste Fundament-Konstruktion aus Stahl. Das verringerte die Kosten für den Bau von Plattformen immens, da das aufwendige Gießen von Betonteilen vor Ort entfallen konnte. 1947 konnte Shell bereits Ölvorkommen in Wassertiefen bis 30 Meter fördern. Für solche Tiefen waren Betonkonstruktionen nicht mehr anwendbar, obwohl Beton der korrodierenden Wirkung von Salzwasser viel besser widerstand.

Der erste Halbtaucher im Golf von Mexico

1920 wurden im Golf von Mexico, vor der Küste von Louisiana geophysikalische Untersuchungen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass sich im unterseeischen Boden viele Salzstöcke befanden. Aus Erfahrung wusste man, dass dort auch die Chance auf Öllagerstätten sehr hoch war. Das Gebiet war sehr morastig und sehr schwer zugänglich. Nur die zahlungskräftigsten Organisationen konnten sich die Errichtung von Bohrtürmen leisten. Auf festerem Grund wurden die Bohrtürme auf Holzmatten errichtet. Direkt in Küstennähe baute man die Bohrtürme nach dem Vorbild von Caddo Lake.

Texaco hatte eine große Anzahl von Konzessionen für dieses Gebiet und suchte nach einer billigen Methode nach Erdöllagerstätten zu bohren. Aufgrund der schlechten Zugänglichkeit waren Holzmatten und Fundamente sehr teuer. Louis Giliasso besaß ein Patent für ein Schiff, welches mit Bohrtürmen und allem notwendigen Werkzeugen an Bord ausgerüstet war. Das Schiff konnte an die gewünschte Position fahren und dort abgesenkt werden, wobei aber die Oberseite des Schiffes über der Wasseroberfläche blieb und fest verankert als Arbeitsplattform diente. Texaco unterzeichnete einen Vertrag mit Giliasso für die Exklusivrechte an diesem Entwurf. So wurde der erste Halbtaucher mit dem Namen „Giliasso“ Wirklichkeit.

Im Schnitt dauerte es 17 Tage, um eine Bohrinsel im schwierigen Gelände von Louisiana an einen anderen Ort zu verbringen. Die „Giliasso“ brauchte dafür lediglich zwei Tage, um wieder komplett arbeitsfähig zu sein. Der einzige Nachteil des Halbtauchers lag allein darin, dass sie nur im flachen Wasser eingesetzt werden konnte. Bei größeren Tiefen war nach wie vor eine feste Plattform mit Fundament nötig.

Die größte Plattform dieser Bauart wurde von der Pure Oil Company in Zusammenarbeit mit der Superior Oil erbaut. Beide Firmen hielten Konzessionen in diesem Gebiet und erteilten der Firma Brown & Root im Jahr 1937 den Auftrag für den Bau einer Plattform mit den Maßen von 90 x 30 Metern. Die Ölförderanlage wurde über 1.500 Meter vom Ufer entfernt errichtet. Die Plattform befand sich drei Meter über der Wasseroberfläche.

Das erste Stahlfundament von der Stange

Den nächsten Schritt in der Entwicklung von Offshore Ölförderanlagen unternahm die Firma Superior im Jahr 1947, indem sie eine Plattform 28 Kilometer vor der Küste errichtete. Der Unterschied darin bestand aber, dass das Fundament komplett an Land vorgefertigt wurde und die Baugruppen dann per Schiff an den Standort verbracht worden. Das sparte einen Großteil der Baukosten ein und erhöhte die Sicherheit beim Bau der Plattform. Außerdem war die Konstruktion an Land viel einfacher als das Zusammenbauen auf hoher See.